{"id":270,"date":"2024-03-03T18:49:10","date_gmt":"2024-03-03T18:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.oncology-expert.de\/?p=270"},"modified":"2024-03-03T18:49:14","modified_gmt":"2024-03-03T18:49:14","slug":"deutscher-krebskongress-dkk-2024-fortschritt-gemeinsam-gestalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.oncology-expert.de\/?p=270","title":{"rendered":"Deutscher Krebskongress (DKK) 2024- Fortschritt gemeinsam gestalten"},"content":{"rendered":"<style>.kb-image270_1605b1-a2 .kb-image-has-overlay:after{opacity:0.3;}<\/style>\n<figure class=\"wp-block-kadence-image kb-image270_1605b1-a2 size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-scaled.jpg\" class=\"kb-advanced-image-link\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"kb-img wp-image-272\" srcset=\"https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-768x576.jpg 768w, https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/blog.oncology-expert.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/IMG_7515-676x507.jpg 676w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>In der letzten Woche endete der 36. Deutsche Krebskongress (DKK) in Berlin. In diesem Jahr Stand der Krebskongress unter dem Motto: Fortschritt gemeinsam gestalten. 12.500 Menschen aus Wissenschaft, Medizin, Gesundheitswesen, Politik und Pflege kamen miteinander ins Gespr\u00e4ch\u2013 f\u00fcr eine noch bessere Versorgung der Krebspatienten und -patientinnen, f\u00fcr mehr Krebspr\u00e4vention und f\u00fcr mehr Zusammenarbeit in der Forschung. Die Teilnehmenden diskutierten in mehr als 300 Sitzungen, wie die Zukunft in der Onkologie gemeinsam interdisziplin\u00e4r und multiprofessionell gestaltet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Deutscher Krebskongress \u2013 interdisziplin\u00e4r, multiprofessionell, verbindend<\/h2>\n\n\n\n<p>Der alle 2 Jahre stattfindende Deutsche Krebskongress(DKK) ist schon lange eine Plattform f\u00fcr den interdisziplin\u00e4ren, multiprofessionellen sowie sektor\u00fcbergreifenden Austausch von Experten und Expertinnen verschiedener wissenschaftlicher und medizinischer Fachrichtungen, sowie der onkologischen Pflegekr\u00e4fte, Vertretern der Industrie und der Patientenverb\u00e4nde. Gemeinsam m\u00f6chten all diese Menschen das Leben f\u00fcr Krebskranke verl\u00e4ngern und deren Lebenqualit\u00e4t verbessern. Auch Pr\u00e4vention und Fr\u00fcherkennung standen auf dem Programm. Keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gibt es in der Onkologie zudem in Bezug auf den Einsatz von KI (k\u00fcnstlicher Intelligenz), sowie der Weiterentwicklungen bei Robotik gest\u00fctzten Operationsmethoden. All das ist schon heute m\u00f6glich und verbessert die Chancen f\u00fcr Krebspatienten und -patientinnen erheblich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und all das funktioniert nur gemeinsam in einer konzertierten Aktion. Durch den demographischen Wandel w\u00e4chst die Zahl der ambulant gepflegten Menschen, z. B. wurden in Berlin seit 2019 rund 38.500 ambulant betreute Menschen erfasst. Das sind nicht immer Krebskranke, aber diese befinden sich auch darunter. Damit die Betreuung als konzertierte Aktion funktioniert, ist der l\u00fcckenlose und sichere Informationsaustausch zwischen allen in die Betreuung und Behandlung involvierten Personen wichtig. Dazu gibt es verschiedenste Ans\u00e4tze telemedizinisch unterst\u00fctzte transsektorale Kooperationsnetzwerke zu schaffen und so mit modernen Mitteln die Pflege zu optimieren \u2013 gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Krebs ist nicht gleich Krebs- die kleinen Unterschiede<\/h2>\n\n\n\n<p>GEMEINSAM ist dabei ein interessantes Stichwort \u2013 sicher ist beim DKK damit vor allem die interdiszplin\u00e4re und interprofessionelle sowie sektor\u00fcbergreifende, vernetzte Zusammenarbeit in der Onkologie gemeint. Doch Fortschritt \u201eGEMEINSAM\u201c zu gestalten, hei\u00dft derzeit auch individueller, auf jeden Tumor und seine Charakteristika zugeschnitten zu forschen und zu therapieren. Neben den Tumorcharakteristika gibt es weitere Punkte, die Fortschritt und Forschung immer mehr bewegen. Geschlechtersensible Onkologie ist dabei ein Thema, das sich den kleinen und gro\u00dfen Unterschieden verschiedener Geschlechter widmet, denn nicht nur jeder Tumor hat seinen speziellen Fu\u00dfabdruck. Es gibt noch weitere Unterschiede zwischen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dem Thema \u201eGender-Unterschiede bei Krebserkrankungen\u201c gab es am 21. Februar auf dem DKK eine Plenarsitzung. Dort berichtete Frau Dr. Heinrich, \u00c4rztin in Weiterbildung am LMU Klinikum M\u00fcnchen, z.B. was geschlechtersensible Onkologie beim Thema Immunoonkologie bedeutet (Interview mit Dr. Heinrich: https:\/\/www.deutscher-krebskongress.de\/interview-gendermedizin-in-der-onkologie.html). Viele Erkenntnisse \u00fcber Unterschiede zwischen m\u00e4nnlichen und weiblichen Patienten existierten bereits, haben aber oft wenig Einfluss auf die t\u00e4gliche Routine. Das sollte sich \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die biologischen Unterschiede zwischen M\u00e4nnern und Frauen beeinflussen unter anderem die Entstehung von Erkrankungen oder die Verstoffwechselung von Medikamenten. Ein Beispiel ist das h\u00f6here Risiko f\u00fcr schwergradige Nebenwirkungen unter verschiedenen Tumortherapien (sowohl Tyrosinkinase-, Immun- als auch Chemotherapie) bei Patientinnen, was laut Dr. Heinrich, in verschiedenen retrospektiven Analysen gezeigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur weibliche und m\u00e4nnliche Patienten unterscheiden sich bzgl. Stoffwechsel, h\u00e4ufigsten Krebserkrankungen, Medikamentenwirkung, -nebenwirkung und -abbau teilweise erheblich, sondern auch Menschen verschiedener Stoffwechseltypen, aus L\u00e4ndern mit speziellen Ern\u00e4hrungs- oder Lebensgewohnheiten etc. So tritt der Leberkrebs in Asien und Afrika mehr als doppelt so oft auf wie in Europa, vermutlich weil dort Virusinfektionen wie Hepatitis B viel h\u00e4ufiger sind, die den Leberkrebs ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. In Europa leiden daf\u00fcr immer mehr Menschen an Lebererkrankungen wie der Fettleber, deren gest\u00f6rte Leberzellen ebenfalls zu Leberkrebs entarten k\u00f6nnten. Exemplarisch f\u00fcge ich hier einmal einige Abbildungen der International Agency for Research on Cancer der Weltgesundheitsorganisation bei. Daraus ist gut zu erkennen \u2013 wie unterschiedlich Krebsarten in Abh\u00e4ngigkeit von geographischen Lage verteilt sind und wie stark auch die Mortalit\u00e4t der einzelnen Tumortypen in unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlich ausgepr\u00e4gten Versorgungssituationen voneinander abweichen kann. Quelle: <a href=\"https:\/\/www.iarc.who.int\/infographics\/global-cancer-burden-growing-amidst-mounting-need-for-services\/\">https:\/\/www.iarc.who.int\/infographics\/global-cancer-burden-growing-amidst-mounting-need-for-services\/<\/a><\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-advancedgallery .kb-gallery-type-masonry.kb-gallery-id-270_e66be1-4b{margin:-5px;}.kb-gallery-type-masonry.kb-gallery-id-270_e66be1-4b .kadence-blocks-gallery-item{padding:5px;}.kb-gallery-id-270_e66be1-4b .kadence-blocks-gallery-item .kb-gal-image-radius, .kb-gallery-id-270_e66be1-4b .kb-slide-item .kb-gal-image-radius img{border-radius:0px 0px 0px 0px;;}<\/style><div class=\"kb-gallery-wrap-id-270_e66be1-4b alignnone wp-block-kadence-advancedgallery\"><ul class=\"kb-gallery-ul kb-gallery-non-static kb-gallery-type-masonry kb-masonry-init kb-gallery-id-270_e66be1-4b kb-gallery-caption-style-bottom-hover kb-gallery-filter-none\" data-image-filter=\"none\" data-item-selector=\".kadence-blocks-gallery-item\" 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Daten wird deutlich, dass Forschung nicht nur auf bestimmte Regionen begrenzt sein sollte, sondern international bleiben muss. Erkenntnisse und Erfahrungen sollten in alle Richtungen teilbar und austauschbar sein. Daran hapert es noch \u2013 vor allem der ehemalige eiserne Vorhang ist noch nicht durchl\u00e4ssig genug. Bisher bedeutete GEMEINSAM in der Forschung vor allem Forschung mit Unternehmen und Forschenden aus der westlichen Hemisph\u00e4re. Wenig an Wissen und Forschung dringt aus L\u00e4ndern des ehemaligen Ostblocks insbes. Russland bis zu uns vor (und das nicht erst seit dem Ukraine-Krieg).<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Wissenschaftswelt vor allem von englischsprachigen Publikationen gepr\u00e4gt ist, bleibt die Wissenschaft hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang und anderen L\u00e4ndern unter sich. Liegt es an der Sprachbarriere oder an mangelndem Fortschritt? Wie werden Krebspatienten und -patientinnen dort behandelt? Welche Infrastruktur zur Patientenversorgung ist dort vorhanden? Welche Unternehmen, \u00f6konomischen Gegebenheiten und Forschungsergebnisse pr\u00e4gen dort die Therapie? Neben vor allem europ\u00e4ischen und US-amerikanischen Unternehmen sind nur wenige asiatische Unternehmen in der Industrieausstellung zu finden. &nbsp;In diesem Jahr tauchte nun erstmals auch ein chinesisches Unternehmen in der Industrieausstellung auf. Zufall? Keinesfalls.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie das Max-Planck-Institut (<a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/17091299\/mpiwg-berlin_jb_2020\">https:\/\/www.mpg.de\/17091299\/mpiwg-berlin_jb_2020<\/a>) bereits 2020 schrieb und in den einschl\u00e4gigen Wissenschaftszeitungen mehr und mehr sichtbar wird, holen die Chinesen systematisch auf. Die Volksrepublik China ist in den letzten Jahren zunehmend zu einem wichtigen Akteur im Wissenschaftssystem geworden. \u201eDas Land produziert inzwischen die meisten Fachartikel und investiert massiv in Forschung im In- und Ausland.\u201c &nbsp;Schreibt das Max-Planck-Institut und weiter: \u201eDie chinesische Regierung hat in den letzten Jahren mit zunehmender Vehemenz ihren Anspruch formuliert, China bis 2050 zur weltweit f\u00fchrenden Wissenschaftsmacht zu machen und fordert mittelfristig eine massive Steigerung genuin \u201echinesischer\u201c Beitr\u00e4ge zum globalen Wissenschaftssystem.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach den Smartphones, den PV-Anlagen, den E-Autos und Temur: rollt nun eine chinesische Wissenschaftswelle auf uns zu. Ist das gut? Solange GEMEINSAM der Fortschritt gestaltet wird und die Unterschiede der Menschen in der medizinischen Forschung eine Rolle spielen (d.h. dann aber auch nicht nur Asiaten in den Studien, Kooperation statt Konkurrenz, GEMEINSAM versus EINSAM) \u2013 solange kann das gut sein. Um jedoch GEMEINSAM den Fortschritt zu gestalten, ben\u00f6tigen wir immer VIELFALT, in den Studienpopulationen und innerhalb der Forschenden und Publizierenden. Damit wir m\u00f6glichst vielf\u00e4ltig den Fortschritt gestalten k\u00f6nnen, sollten wir uns zuk\u00fcnftig auch um mehr Transparenz bzgl. der Forschung in nicht-englischsprachigen L\u00e4ndern bem\u00fchen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Das hei\u00dft auch, dass sich die Forschungsgemeinde einmal Fragen muss, wie Erkenntnisse aus nicht \u2013 englischsprachigen L\u00e4ndern ausreichend gew\u00fcrdigt und sichtbar werden k\u00f6nnen, wie politische Grenzen in der Forschung \u00fcberschritten werden k\u00f6nnen \u2013 zum Wohle aller Patienten und Patientinnen in ihrer nat\u00fcrlichen Vielfalt. &nbsp;Derzeit ist die Forschung und Entwicklung vor allem von westlichen Unternehmen, westlichen Forschungsgruppen gepr\u00e4gt.&nbsp; Im Industrieforum sieht man ebenfalls nur Firmen aus Europa, den USA oder aus Japan in der Onkologie. Es fehlt mehr Transparenz zu nicht-englischsprachigen Publikationen und Erkenntnissen. In diesem Jahr haben die Chinesen einen ersten Schritt ins Rampenlicht gewagt. Wohin das f\u00fchren wird ist noch offen. Ziel sollte jedoch keine Wissenschaftsmacht sein, sondern Vielfalt, Transparenz und Austausch \u00fcber <strong>alle<\/strong> Grenzen hinweg. Ein wachsamer Blick ist wichtig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der letzten Woche endete der 36. Deutsche Krebskongress (DKK) in Berlin. 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